detaillierte Projektbeschreibung von Kabale und Liebe

Projektbeschreibung

 

Stand: 22. November 2013

 

Hintergrund

Das Theaterstück Kabale und Liebe - ein bayerisches Trauerspiel handelt von Liebe, Macht und deren Missbrauch, von Geld und Konsum. Auf der einen Seite steht das aufstrebende Bürgertum, das zur Zeit Schillers an Einfluss und Selbstbewusstsein gewinnt, sich dabei aber immer noch der alten Ordnung fügt und sich an ihr orientiert. Auf der anderen Seite steht der Adel - eine Gesellschaftsform, die sich vom Wahn der Macht treiben lässt und der Ehre oder dem Pflichtbewusstsein und Arbeitsethos ebenso fremd sind wie der Alltag der Bürger, des dritten Standes im Staat.

In der Geschichte verlieben sich der Sohn eines Aristokraten und die Tochter einer Bürgersfamilie ineinander. Sie sehen sich mit dem Beschränkungen und Begrenzungen der ausgeprägten Ständegesellschaft konfrontiert und sind dem Willen, dem Wollen und den Plänen der jeweiligen Familien ausgesetzt. Jeder Stand versucht auf seine Art, bzw. mit den jeweilig zur Verfügung stehenden Mitteln, diese Verbindung zu verhindern. 

 

Das von Robert Ludewig neu inszenierte und bearbeitete Stück fokussiert folgende Schwerpunkte und Zielsetzungen:

Der Adel wird sprachlich im "Hochdeutschen" verortet, das Bürgertum spricht "bayerisch". Der bayerische Dialekt im Stück ist ein wichtiger Schwerpunkt - hier wird es auch Unterschiede in der Tiefe des Dialektes geben. Kinder sprechen nicht wie ihre Eltern, der Bürger spricht ein anderes bayerisch, wenn er unter seinesgleichen ist oder sich mit jemand unterhält, der selbst sprachlich in der Hochsprache zu Hause ist (Der Adel). Das Stück hat das Ziel, den bayerischen Dialekt als Kulturgut zu erhalten und auch darüber hinaus, den Wandel, den der Dialekt innerhalb der Generationen erlebt, aufzuzeigen. Veränderungen im Dialekt werden von einer Generation zur nächsten deutlich (z.B. im Stück durch die Bildung von Luise 1.Akt Sz.2), sowie dem Aufweichen der Mundart in der Kommunikation mit hochdeutschen Sprechern. Somit macht das Stück auch auf das langsame "Aussterben"  der bayerischen Mundart bzw. die Assimilation mit der deutschen Hochsprache aufmerksam.

Einen weiteren Schwerpunkt stellt die Gegenüberstellung von Problemen von damals und heute dar: Luise  wurde mit einer  Schauspielerin mit "bayerisch-äthiopischen" Wurzeln besetzt. Diese Besetzung wurde bewusst so entschieden, um die zu Schillers Zeiten vorherrschende Ständegesellschaft in die heutige Zeit zu transportieren. Dabei erkennt man schnell, dass die Probleme weitgehend gleich sind - natürlich in unterschiedlichen Darstellungsformen wegen der verschiedenen Zeiten, in denen sie beschrieben werden. In der Zeit, in der das Stück spielt, sind Adel, Bürgertum oder Bauern mit verschiedenen Problemstellungen konfrontiert. In der heutigen Zeit würde beispielsweise ein junger promovierter Arzt seine Freundin, eine Asylantin aus dem Sudan, vorstellen. Damit soll der Zuschauer die eigenen Grenzen der Toleranz kennenlernen und im besten Fall die eigenen geheimen Vorurteile als solche erkennen.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Verhalten der Eltern gegenüber ihren Kindern:

a) Der adelige Vater, der über einen hohen Bildungsstand verfügt, benutzt seine Macht sowie sein Gewaltmonopol und spielt dazu jede - auch falsche  - Karte aus, die ihm zur Verfügung steht. Dabei ist den Beteiligten nicht bewusst, dass dies den jungen Mann, dem Tugenden wie Ehrgefühl oder Ritterlichkeit keine Fremdwörter sind, bis in die scheinbar ausweglose Tat des Mordes und Selbstmordes treiben kann.

b) Das Bürgertum, vertreten durch den bürgerlichen Vater, dem nicht die Mittel des Adels zur Verfügung stehen, sondern nur die der Vernunft und auch der Liebe. Er versucht für seine Tochter zu verhindern, dass sie am Ende den Ruf der Hure eines Adeligen bekommt. Er möchte verhindern, dass sie Ihrem Stand den Rücken kehrt und dass er sie am Ende verliert.  

Konzeption von Bühnenbild und Kostüm

das Bühnenbild greift auf minimalistisch, abstrakte weise den Grundgedanken des Stückes bzw. der Inszenierung auf in dem es der zwei Klassengesellschaft zwar klare räumliche Verortungen zuweist, aber auch ein Übereinandergreifen der zwei Welten zulässt. So steht das einseitig absinkende, skelettierte Dachgebälk eines Hauses für die bürgerliche Welt, die in ihre Roh- und Einfachheit schwer zu begehen und umgehen ist, aber auch für den Zerfall der Gesellschaftsform, bei der es sich zu retten gilt, gleich einem sinkenden Schiff. Zu Anfang mit Papierbahnen verkleidet, wird die Häuslichkeit peu a peu eingerissen, nicht zuletzt durch den durch das Dach führenden Steg, der dem Adel als Catwalk ihres extrovertierten höfischen Lebens dient. Durch diese Anordnung soll zum einen die Unumgänglichkeit eines Aufeinandertreffens, die gegenseitige Beeinträchtigung und Störung, aber auch die unausgesprochene Abhängigkeit des einen, ohne den es den anderen nicht geben würde, symbolisiert werden. Das Kostümbild wird akzentuiert auf die bayerische und bürgerliche Kleidung eingehen, aber auch mit historischen Details arbeiten, die sowohl eine moderne aber auch klassische Zeit erzählen.

Zielsetzung

Friedrich Schiller ist einer der bekanntesten Autoren, bekannt durch seine Werke wie "Maria Stuart" oder "Die Räuber". Schiller steht für den Übergang vom absolutistischem zum bürgerlichen Zeitalter. Er zielte auf eine Art gewaltfreie, klassischen Formung des Menschen, gerade auch in und durch die Dramen,  als Element einer bürgerlichen Staatsform. Gewaltfrei vor allem deshalb, weil für die Menschen in Deutschland  der Schrecken, der Terror der Französischen Revolution und der darauffolgenden unsicheren Zeit deutlich spürbar war.Darüber hinaus weist Kabale und Liebe - ein bayerisches Trauerspiel auch eine gewisse Komik auf und transportiert auf teils unterhaltsame Weise  die bereits genannten Botschaften an die Zuschauer. Theater hat einen Auftrag. Nicht nur zu unterhalten, sondern auch die Leute aufzuwecken, ja wach zu rütteln. Das  Theaterstück Kabale und Liebe - ein bayerisches Trauerspiel hat in unserer Bearbeitung und Inszenierung darüber hinaus den Auftrag,  den Dialekt, exemplarisch die bayerische Sprache als Kulturgut zu erhalten. Durch die Wahl dieses bekannten Werkes, das auch in vielen Schulen auf dem Lehrplan steht,  haben wir die Möglichkeit die junge Generation zu erreichen und Ihnen die heimische Mundart wieder nahe zu bringen.